Solche Verhältnisse sieht man gern

20. Juli 2018 | Von | Kategorie: Rezensionen

lambach

Rezension von …………………………….. Christian Hanna

Im stimmungsvollen Hof des Stiftes Lambach zeigte der Theaterverein Barocktheater LAMBACH seine heurige Sommerproduktion, die allseits beliebte Posse mit Gesang „Frühere Verhältnisse“ von Johann Nestroy.
Um es gleich vorweg zu nehmen: solche Verhältnisse lassen wir uns sehr gerne gefallen. Denn obwohl die Produktion von einem gewaltigen Theaterpech heimgesucht wurde (Hauptdarsteller Daniel Neuböck verletzte sich am Tag vor der geplanten Premiere schwer, Obmann Helmut Hörtenhuber musste für ihn einspringen, statt der Premiere gab’s die Generalprobe), war die Inszenierung von Andrea Schnitt eine runde, ausgewogene, unterhaltsame und überzeugende Sache. Die Regisseurin dürfte lange an den Rollenbiographien gearbeitet haben, sieht man doch selten im Amateurbereich eine derart individualisierte Charaktergestaltung. Dazu hat sie ihren Darstellern noch den großen Mut zu langen Pausen mitgegeben, die garantiert jede Pointe besser sitzen lassen.
Ulrike Kepp spielte die eh’mals Köchin, nunmehr „Stabile erste Liebhaberin bei ambulanten Bühnen“ Peppi Amsel in der festen Überzeugung, dass das Verlassen derselben kein Verlust ist. In keinem Moment wirkt sie als Geschlagene, die zu ihren früheren Verhältnissen zurück muss; sie tut’s aus Überzeugung.
Georg Bachleitner war ein Idealbild des eh’mals Unternehmer, jetzt heruntergekommener Hausknecht Anton Muffl, der auch „mit Hilfe“ seiner Theaterbegeisterung, speziell der Neigung zur Pompadour Peppi so ziemlich alles verloren hat. Er hat schon viel mehr Schwierigkeiten, sich in sein Schicksal zu fügen; seine schlagfertige Selbstironie hilft ihm dabei aber enorm.
Helmut Hörtenhuber gab Herrn von Scheitermann, vormals Hausknecht, mittlerweile reicher Holzhändler. Wessen Hausknecht er war, ist dem geübten Nestroy – Publikum natürlich klar. Aus lauter Respekt vor seinem ehemaligen Prinzipal Muffl schafft er es nicht, den heruntergekommenen Hausknecht Muffl loszuwerden, aus seinem Haus zu verjagen. Dabei schafft es ihm doch seine nervige Gattin. Hörtenhuber lässt offen, vor wem von den beiden er mehr Respekt hat; verwunderlich nur, wie so ein Waserl erfolgreicher Geschäftsmann sein kann.
Laura Pichler war als Josefine Scheitermann, ohne Zweifel eine hübsche, gebildete, aber auch unterbeschäftigte junge Frau, die einzige ohne „frühere Verhältnisse“. Mit der Heirat mit ihr, einer „guten Partie“, wollte Scheitermann sich in sozial höhere Sphären heben, ist sie doch eine Frau aus gutem Hause, Tochter eines Professors, somit behaftet mit schlechten Nerven, dafür umso nerviger für ihre Umgebung, speziell für ihren Gatten.
Posse mit Gesang wurde vom Produktionsteam erfreulicherweise sehr ernst genommen. Claudia Bachleitner am Akkordeon und Andreas Mittermayr an der Klarinette begleiteten in einem netten Arrangement der Originalkomposition die bekannten Couplets, die vom Darstellerquartett adäquat interpretiert wurden.

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