Auf eine besonders bedenkenswerte Zeitreise…

1. Oktober 2018 | Von | Kategorie: Rezensionen

Rezension von ………………………. Bernhard Paumann

(ver)führt uns das Junge Theater Enns unter der Leitung von Iris Hanousek-Mader mit ihrer Produktion „Grenzwall Enns“ im weiteren Rahmen der Landesausstellung „Die Rückkehr der Legion“. Angelegt als Stationentheater werden an vier Orten vier historische Brennpunkte beleuchtet, die von vier Autoren gestaltet wurden. Komfortabel mit Bussen von Spielort zu Spielort gebracht, wobei auch noch gemeinsam gesungen wird, z. B. das Sauflied der Ennser oder den „lieben Augustin“, der tiefgehender interpretiert werden muss.

Den Beginn setzt stilvoll im gotischen Ambiente der „Severinskirche“ Lauriacum der römische Autor Plautus mit einem Ausschnitt aus seinem „miles gloriosus“ (der eingebildete Soldat). Bombastisch wird mit dem Orffschen „o fortuna“ nach ihm Ausschau gehalten, bis er erscheint (in einer Traumrolle Thomas Wimmer) und sich von seinen Ruhmestaten erzählen lässt. Die Grenze zur Hybris wird überschritten.

Im Stadtamt (Enns Stadtrecht ab 1212) wird die Geschichte der Glaubenskriege eindrucksvoll dargestellt (Textgestaltung Miriam Rittberger). Im Schachspiel zwischen Macht (Erik Hamedinger) und Glauben (Sabine Wimmer) geht es um die Grenzen der Weltanschauungen. Im Schattenspiel wird eindringlich das Frankenburger Würfelspiel nachempfunden (wobei hier mit den Gesetzen des Schattenspiels sorgfältiger gearbeitet werden müsste).

Im Kulturzentrum D’Zuckerfabrik wird Zeitgeschichte entrollt („Die Ennsbrücke“ Text Iris Hanousek-Mader) und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Bei dieser Szene haben sich Gäste zugesellt. Hermine Touschek spielt korrekt und im Beamtenton die Ministersekretärin Margarethe Ottilinger, die von den Russen verhaftet und nach Sibirien ins Straflager verbracht wurde, Maxwell Renner und Joy Mader treffen einander im Grenzfluss – sie Kz-Häftling, er Deserteur – eine Szene, die betroffen macht. Maria Steiner ist authentisch im Mühlviertler Dialekt die Erzählerin in diesem Biografie-Theater.

Einen Schwank setzt es zum Schluss (Text Carina Reikersdorfer), in dem es um die Generationskonflikte anlässlich des Geburtstages der „Urliomi“ geht. Sosehr die Spielfreude sichtbar war, ist doch die spaßige Darstellung mit größtem Ernst zu behandeln.

Ein ganz großes „Vor den Vorhang“ für die Ideen, die verschiedensten Theaterformen und diese Form des Stationentheaters. Das Junge Theater Enns schiebt sich ganz nach vorne.

Noch zu sehen bis 7. Oktober!
Bitte Karten sichern unter
https://www.junges-theater-enns.at/

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