Kurzschluss mit Folgen

19. März 2019 | Von | Kategorie: Rezensionen

 

Rezension von …………………………………… Christian Maier

In der souveränen Regie von Willi Meingast serviert die Junge Bühne Mondsee eine „Komödie im Dunkeln“ von Peter Schaffer. Umjubelte Premiere war am 15.März.

Dem jungen, hochtalentierten Künstler Brindsley Miller steht ein wichtiger Meilenstein in seinem Leben ins Haus – oder vielmehr in seine Wohnung. Ein bedeutender russischer Millionär und Kunstsammler möchte seine Arbeiten besichtigen und möglicherweise auch kaufen. Zudem wird der Vater seiner bildhübschen Verlobten Carol erwartet, der tunlichst von der Seriosität des Schwiegersohns in spe überzeugt werden muss – soll er doch die Zustimmung zur Heirat mit seiner Tochter geben. Ein Grund mehr, um seine eigene, spartanische Wohnung aufzupeppen. Kurzerhand werden die stilvollen Möbel seines im Ausland weilenden Nachbarn Harold „organisiert“. Doch just als alles perfekt scheint, bringt ein Kurzschluss den ganzen Plan ins Wanken: Stromausfall!

Peter Shaffer, der Autor des Stücks, bedient sich bei seiner „Komödie im Dunkeln“ eines genialen Tricks, den er sich in der Peking-Oper abgeschaut hat. Die anfangs in dunkles, blaues Licht getauchte Bühne, die nur schemenhafte Gestalten erkennen lässt, erstrahlt mit dem Ausfall des so notwendigen Stroms nun in gleißendem Scheinwerferlicht. Somit hat das Publikum die Möglichkeit, herrlich herumirrende Gestalten zu beobachten und so manche Szene im Vorfeld zu erahnen.

Der überraschend zurückkommende Harold (Anton Laireiter als ziemlich schräg adjustierter Nachbar) trägt zur Erleichterung ebenso wenig bei, wie die eigentlich abstinente, aber zunehmend auf den Geschmack von Alkohol kommende Miss Furnival (Christine Lukesch gekonnt illuminiert).
Auch Carols Vater, der pensionierte Oberst Colonel Melkett (Peter Birgel mit herrlicher Mimik), übt zusätzlichen Druck aus.

Hektisch versucht nun Brindsley (Philipp Hackl wunderbar mit der Stehlampe kämpfend) die geklauten – pardon „geborgten“ – Möbel wieder in Harolds Wohnung zu bugsieren. Kein leichtes, da immer noch stromloses Unterfangen!
Mehr und mehr manövriert sich Brindsley ins Aus, indem er sich als zügelloser Verführer und Schwerenöter entlarvt. Denn spätestens als Eva (Elisabeth Kotschy als durchtriebene Ex) ins Spiel kommt, wird klar, dass die Hochzeit mit Carol (Silvia Schauer als leidende Verlobte) wohl nur als Vorwand dient, um in gehobene Kreise aufzusteigen. Der kunstsammelnde Millionär George Godunow (Robert Wimmer als bepelzter Russe) komplettiert das Chaos.
Erst der verzweifelt herbeigerufene russische Mitarbeiter des E-Werks (Michael Pariente) kann Licht ins Dunkel (oder war es doch Dunkel ins Licht????) bringen und somit das turbulente Treiben beenden.

Das gesamte Ensemble der Jungen Bühne Mondsee stolpert, tappt und stürzt über die Bühne und bleibt dennoch stets und sehr überzeugend in der Rolle.
Nur für kurze Zeit wird die 4. Wand durchbrochen, als ein Gast aus dem Publikum zwecks „Handkontrolle“ ins Spiel integriert wird – plötzlich das Einverständnis des Publikums für eine siphonartige Sintflut eingeholt wird.

Durch die unbändige Spielfreude gerät der Kurzschluss zu einem sehenswerten und äußerst vergnüglichen Abend.

Noch zu sehen am:
Fr 22. März 2019
Sa 23. März 2019
So 24. März 2019
Di 26. März 2019
Fr 29. März 2019
Sa 30. März 2019 jeweils um 19:30 Uhr

https://www.jungebuehne-mondsee.at/

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Eine ausgezeichnete Rezension zu dieser tollen Inszenierung!

    Wer war doch gleich der Schauspieler, der Brindsley Miller so gekonnt komödiantisch dargestellt hat?

Schreibe einen Kommentar

*