Die Maultrommel als Zauberflöte

16. Juni 2019 | Von | Kategorie: Rezensionen

Rezension von ……………………….. Hermine Touschek

Das Mollner „theater frei-wild“ feierte am 1. Juni 2019 die Uraufführung des Stücks „Die Verteidigung von Molln“ – einmal mehr unter der bewährten Regie von Franz Strasser.

Der international renommierte Dramatiker Thomas Arzt aus Schlierbach konnte für das diesjährige Projekt, ein Volksstück mit Musik, gewonnen werden.

Arzt schrieb rund um die Barbara-Legende aus dem 17. Jahrhundert ein Werk, in dem es um das Land, seine Bewohner und um gesellschaftlich aktuelle Themen geht. Ein Anliegen, das sich durch alle Produktionen der Mollner zieht. Die gewählte Sprache ist Mundart und spricht aus dem Herzen – bringt aber auch eine gewisse Brutalität der Wörter hervor.

Die Barbara-Legende ist die Geschichte einer Frau, die als Hexe am Scheiterhaufen verbrannt werden sollte. Im Kerker findet sie ein Stück Metall, biegt es zu dem, was später Maultrommel bezeichnet wird, und erreichte durch den magischen Klang, den sie diesem Instrument entlocken konnte, schließlich Begnadigung.

Der Autor überträgt das Bild der fremdartigen Frau in die Gegenwart: eine Asylsuchende spaltet die Dorfbewohner – Angst und Ablehnung, Menschlichkeit und Solidarität – die Menschen müssen sich entscheiden. Die Fremde spricht kaum – und was sie spricht, verstehen sie nicht – aber sie kann die Maultrommel spielen – was ihres und das Leben der anderen verändert. In Zeiten wie diesen ist es ungeheuer wichtig, sich für die Verteidigung der Menschlichkeit einzusetzen – die Menschen zu berühren und aufzurütteln.

Die Mollner Maultrommler-Legende Manfred Rußmann, zeichnet für die Musik (Komposition und live) verantwortlich.  Das Bühnenbild, von Franz Strasser entworfen, zeigt die größte „bespielbare“ Maultrommel der Welt – und birgt ungewöhnliche Ideen für die bis zu 22 Menschen auf der Bühne.

Die Rolle des Joe Wurz, dem Maultrommelbauer, könnte wahrscheinlich niemand wahrhaftiger spielen, als Eduard Sageder. Die Dorfbewohner können nicht mehr mit ihm und er nicht mit ihnen. Auch er ist ein Ausgegrenzter. Die Asysuchende, Lucy, versöhnt ihn wieder mit den Menschen. Lucy – intensiv gespielt von Sonja Wurzer – bricht auch die verhärteten Herzen der Dorfbewohner auf, deren gemeinsames Ziel es schließlich ist, ihren Verbleib in Molln zu bewerkstelligen.

Ein starkes Stück Theater, eine starke Ensembleleistung, die hier geboten wird.

Unbedingt ansehen
20., 21. Und 22. Juni jeweils um 20 Uhr
https://www.theater-frei-wild.at

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