Reichenau, die zweite

27. Juli 2019 | Von | Kategorie: Rezensionen

Rezension von ………………………… Christian Hanna

Schon seit über 20 Jahren ist es bei den Burgfestspielen Reichenau Brauch, dass der Hauptpremiere eine Produktion für Kinder folgt. Dieses Jahr ist es eine Dramatisierung des Robin Hood – Mythos, die der oberösterreichische Autor Günter Weiß der Burg und  dem Ensemble entsprechend verfasst hat: Robin Hood und Marian

Weiß hat es vermieden, sich in kleinen Episoden und zu großer Besetzung zu verzetteln, wozu die vielen Geschichten um den Volkshelden ja verführen könnten, und sich an einen klaren Handlungsstrang gehalten, an den er die großen Themen Freundschaft, Liebe, Macht, Mut, Gier und Geld kindgerecht anknüpft. Er erzählt pointenreich, wie sich Holzkopf, der neue Sheriff von Nottingham, die Burg von Sir Richard ergaunert und Robin sie, mit starker Unterstützung der Burgherrennichte Marian, dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zurückerobert.

Regisseurin Andrea Schnitt hat die Vorlage mitreißend und schwungvoll inszeniert, ihre teils jugendlichen DarstellerInnen zu großer Präzision und durchgängiger Textdeutlichkeit angeleitet, die angesprochenen großen Themen für junge Zusehende adäquat herausgearbeitet, die beiden Negativpole Kitsch und Unterkühlung sicher vermeidend. Sie lässt die volle Breite des großen Bühnenbereichs nutzen, Ausstatter Andreas Henter hat vom Sherwood Forest bis zum finsteren Verließ alles Nötige aufgebaut – Platz haben sie ja genug in Reichenau. Schon der Beginn mit Christian Luger als tölpelhaftem Sheriff Holzkopf und Joy Mader als seinem sich für superschlau haltenden Faktotum Jack the Wiesel hat was von shakespear’schen Rüpelszenen und begeistert das Publikum augenblicklich. Lukas Rabeder als Robin Hood und Dominik Stelzer als Little John, Wolfgang Mayrhofer als Bruder Tuck, Moritz Merten als Will Scarlett, alle liebevoll gezeichnet mit individuellen Macken, haben die Zuschauerherzen auf ihrer Seite, ebenso die quirlige Nadine Moser als kecke, selbstbewusste Marian. Zu Robins Bande gesellt sich noch der Hauslehrer Marians, ein Franzose, den Sir Richard engagiert hat, um seiner Nichte Manieren beizubringen, köstlich klischeehaft verkörpert von Simon Seher. Komplettiert wird das Ensemble von Gerhard Wahl als holzschnittartigem, düsteren Superhelden Guy Gisbourne, der eben doch nicht unbesiegbar ist, Helmut Springer als gütigem Sir Richard, Jakob Pichler, Gerhard Wahl und Kelvin Addai als einfältigen Soldaten und Frauen und Kindern, die gemeinsam mit Sir Richard im Kerker schmachten.

Dass das Publikum nicht schmachten muss, dafür sorgt ein flinkes Cateringteam in einem großen, überdachten Bereich, der allen Schutz bietet, sollte doch einmal eine Wolke brechen – ein weiterer Beitrag zum Wohlfühlfaktor in Reichenau!

Noch zu sehen am:
28.7., 29.7., 30.7., 31.7., jeweils um 19 Uhr
4.8., 5.8., 6.8., 7.8., jeweils um 19 Uhr
https://burgfestspiele.at/spieltermine/

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