Luftige Sommernacht im trüben Herbst

18. Oktober 2020 | Von | Kategorie: Rezensionen

Rezension von ………………………..  Bernhard Paumann

Das ist wirklich ein Lichtblick im kulturbeschränkten Jetzt von Corona. Ein wagemutiges Ensemble (Theater im Grünen Anker) von ca. 30 Jugendlichen trotzt der Unbill der Pandemie und setzt einen frischen, jugendlichen, shakespeareschen Sommernachtstraum in die Pfarrkirche Urfahr, wo in einer Seitenaltar-Nische flockige weiße Tücher einen Wald und eine Vielzahl von Leuchtkugeln das Sternenzelt symbolisieren – für ein Nachtgeschehen vielleicht ein bisschen zu hell ausgeleuchtet.

Lisi Kreil zeigt, dass sie ein gutes Theaterhändchen hat, und lässt mit kleinen Regieeinfällen viel Theaterwitz aufblitzen. Dass die Kirchenakustik trotz Richtungsmikrofonen die Dialoge manchmal verschwimmen lässt, stört manchmal das freche Spiel. Dass Tanzeinlagen und ans Musical angelehnte Lieder (Musik: David Mahringer, Judith und Lisi Kreil, Teresa Kaineder) dem jugendlichen Publikum geschuldet sind, hört man am stürmischen Applaus, wobei Oberon (Moritz Merten als Uwe Kröger Zwilling), ein springlebendiger Puck (Felicitas Hager) und Hippolyta (Anna Balla) stimmlich überzeugen können.

Schön, dass mit Franzi Rashidi (Lysander mit einer „Grasser“-Mähne, die er noch viel wirkungsvoller einsetzen könnte) und Mohammad Qasem (Theseus) zwei „Fremdsprachige“ in die Gruppe integriert sind, aber mit der deutschen Sprache kämpfen – da wäre eine Übertreibung des fremden Idioms durchaus angebracht und gäbe dem Spiel noch mehr Würze.

Die beiden Liebespaare Lysander und Hermia (Nina Höller) und Demetrius (Markus Schwarz) und Helena (Helene Mühlbachler) wirken in manchen Szenen etwas blass, während die Handwerker (Sophie Schinagl, Chiara Voglsam, Clemens Danner, Manuela Walchshofer, Hannah Gstöttenbauer) mit ihrem naiven Spiel Komödiantisches im besten Sinne aufblitzen lassen und Kilian Fuchs (Zettel) die besten Voraussetzungen für eine „Rampensau“ hat (dass er als Zettel/Esel so unbewegt ins Bett der Titania (Laetitia Hager) hüpft, ist nicht ganz nachvollziehbar).

Eine schöne Ensembleleistung, eine spielfreudige Gruppe, in fantastischen Kostümen schwelgend, die im trüben Herbst eine zauberhafte Sommernacht herbeisehnt – dass am Schluss „sweet dreams“ erklingt, ist nur das Tüpfelchen auf dem i einer gelungenen Produktion.

Noch zu sehen: 21./23.10 um 19.30, 25.10 um 16.00

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