Wenn der Vorhang fällt

10. Januar 2023 | Von | Kategorie: Leitartikel

Nachruf von …………………………………… Bernhard Paumann

Im Theater hat das „Black“ eine zentrale Funktion, es setzt rasant einer Handlung
eine Lösung, manchmal ist es die Gelegenheit, noch weiter zu denken, und
manchmal lässt es einen ratlos zurück mit der bangen Frage nach dem Warum.
Am Silvestertag noch im gleißenden Bühnenlicht des Musiktheaters, in der Nacht vom 1. zum 2. Neujahrstag im endgültigen Black, das allem Spiel ein Ende setzt. Und dann setzt das nicht beantwortbare Warum ein. Und es ist müßig, es zu stellen.
Mit Tom Pohl verlieren wir einen aufrechten Charakter, der in seiner Art zu leben
offen und tolerant auf seine Mitmenschen reagiert und immer ein freundliches Wort
gefunden hat, der eine fast kindliche Freude gezeigt hat bei einer zufälligen
Begegnung und immer Zeit gefunden hat für ein kleines Plauscherl. Natürlich ist es
meist um das Theater gegangen.
Er war einer, der Theater gelebt hat, ganz gleich, welche Rolle er gespielt hat. Er hat
jeder Bühnenfigur einen Hauch von Besonderheit geschenkt, ohne sich selbst in den
Vordergrund zu spielen, und er war sich auch für „kleine“ Rollen nicht zu schade,
denen er seine schauspielerische Punze einprägte. Und er hat das Linzer Theater
bereichert, war er doch ein „Hans Dampf“ auf den heimischen Bühnen, vom
Landestheater, dem Theater Phönix, der Tribüne, den vielen Sommerproduktionen,
dem Kabarett „Die Niederträchtigen“ bis zum KuK Theater.
Und da zeigte sich auch die soziale Ader Toms, in seiner Arbeit für „Pro mente“, wo
er Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, selbstbestimmt in ein
theatralisches Geschehen miteinbezog und diese sich in meist selbst erarbeiteten
Szenen, die er meisterhaft zu gestalten wusste, selbstbewusst präsentierten.
Für den Amateurtheaterverband OÖ war Tom als Referent eine nicht
wegzudenkende Größe. Mit ungeheurem Fingerspitzengefühl spielte er bei den
TeilnehmerInnen jene Saiten an, die eine Szene zum Klingen bringen. Er war aber
nicht nur Kursleiter, sondern auch Berater und Freund, Animator und wohlwollender
Kritiker. Vor allem aber zur Stelle, wenn man ihn brauchte, und das mit einer
herzerwärmenden Freude und Begeisterung.
Lieber Tom, du wirst uns fehlen, aber tief im Inneren wird das, was du uns so
überraschend hinterlassen hast, keimen und reiche theatralische Frucht bringen.
Durch das, was du uns im Theater geweckt hast, sind viele von uns reich beschenkt
worden. Und auch dafür ein Danke schön.
Nochmals, eindringlich: Du wirst uns fehlen.

Keine Kommentare möglich.