{"id":17661,"date":"2023-06-10T18:47:13","date_gmt":"2023-06-10T17:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=17661"},"modified":"2023-06-11T19:44:23","modified_gmt":"2023-06-11T18:44:23","slug":"das-menschenmoegliche-gegen-unrecht-und-unmenschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=17661","title":{"rendered":"Das Menschenm\u00f6gliche gegen Unrecht und Unmenschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Reichenstein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17660\" src=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Reichenstein-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Reichenstein-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Reichenstein-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Reichenstein.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rezension von Bernhard Paumann &#8211; Foto: Waldaistb\u00fchne<\/p>\n<p>Die Menschen (nicht alle) haben aus der Geschichte nichts gelernt und gerade deswegen ist es ungemein wichtig, an Ereignisse, die vollgesogen sind mit Brutalit\u00e4t, Menschenverachtung, Ausgrenzung, Herrenmenschentum und bedingungsloser Gl\u00e4ubigkeit an eine F\u00fchrerfigur (die sich im Nachhinein als ziemlich l\u00e4cherlich erweist), eindringlich zu erinnern. Daher ist das riesige Theaterprojekt der <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Theatergruppe Tragwein<\/strong><\/span> und der <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Theaterrunde Gutau <\/strong><\/span>auf der Ruine Reichenstein mit ihrer Produktion <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u201eDas Menschenm\u00f6gliche\u201c <\/strong><\/span>umso wertvoller zu beurteilen, handelt es doch von der verniedlichend \u201eM\u00fchlviertler Hasenjagd\u201c genannten Hatz und Ausl\u00f6schung ausgebrochener KZ H\u00e4ftlinge (vorwiegend Russen und Ukrainer) aus Mauthausen und dem \u00dcberleben einiger weniger durch Menschen, die noch einen Funken Anstand und Menschlichkeit besitzen .<\/p>\n<p>In karger, aber sehr funktioneller B\u00fchne (<span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Helmut Freinschlag und Team<\/strong><\/span>) im stimmungsvollen Ruinenteil l\u00e4uft das emotional aufw\u00fchlende Geschehen (erz\u00e4hlt nach Buch und Film von <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Andreas Gruber<\/strong><\/span>) ab. Ein so gewaltiges Menschenaufgebot braucht eine sichere Hand und die f\u00fchrte <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Eva Stockinger<\/strong><\/span>, die den Spagat zwischen rei\u00dferischer Brutalit\u00e4t und empathischer Sentimentalit\u00e4t bravour\u00f6s meisterte. Hatte sie doch auch exzellente Charakterdarsteller*innen in ihrem Aufgebot.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Manfred Wolf <\/strong><\/span>und <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Werner M\u00fchlbachler<\/strong><\/span> als die von der Familie Langthaler geretteten KZ-H\u00e4ftlinge spielen ihre Rollen mit einer Intensit\u00e4t, die nicht dick auftragen muss. Sogar ihre Sprache wirkt authentisch und nicht aufgesetzt. Als Antipode des Guten setzt sich <strong><span style=\"color: #0000ff;\">Bernhard<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">M\u00fchlbachler<\/span><\/strong> als Oberscharf\u00fchrer Heinze brutal, gef\u00fchlskalt und wahrlich \u00fcber Leichen gehend in Szene, nur beim Fotografen (<span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Wolfgang Hessl<\/strong><\/span>) offenbart sich eine l\u00e4cherliche Sentimentalit\u00e4t. An Fanatismus stehen ihm Toni Berghammer (be\u00e4ngstigend d\u00e4monisch <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Bernhard Jahn<\/strong><\/span>), der B\u00fcrgermeister (<span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Fritz Renhart<\/strong><\/span>) und der Kaufmann (<span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Herbert Neumeister<\/strong><\/span>) nicht nach. <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Horst Pr\u00fcckl<\/strong><\/span> als Pfarrer zeigt anschaulich die Diskrepanz von Aufbegehren und Kleinm\u00fctigkeit.<\/p>\n<p>Sehr \u00fcberzeugend in der Darstellung und Wirkung die Familie Langthaler, vor allem <strong><span style=\"color: #0000ff;\">Renate<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">Kiesenhofer <\/span><\/strong>als Mutter und <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Franz Pichler <\/strong><\/span>als \u00fcbervorsichtiger Vater geben dem unvorstellbaren Grauen eine menschliche Note. <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Eva H\u00f6tzendorfer <\/strong><\/span>als gealterte Anna Hackl-Langthaler unterbricht mit deren Lebenserinnerungen immer wieder die Flut der Brutalit\u00e4t. Auch alle anderen Rollen als Dorfgemeinschaft, als Kirchg\u00e4ngerinnen, als Volkssturm, als SS Schergen oder KZ H\u00e4ftlinge tragen als Mosaiksteinchen zum gewaltigen Gesamtbild bei.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich besonders beeindruckend die kurze Filmsequenz \u00fcber den Ausbruch, die mit unbeschreiblicher Pr\u00e4zision und Rasanz ersch\u00fcttert und anklagt (<span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Klaus Wasner<\/strong><\/span>). Im zweiten Teil wird durch eine flash-artige Szenenfolge der Erz\u00e4hlfluss etwas gehemmt. Und wenn im Schlussbild eine Melodie der \u201eMauthausen-Kantate\u201c von Mikis Theodorakis erklingt, der auf der KZ Insel Makronissos das Leid kennenlernte, dann versp\u00fcrt man, dass es eine Hoffnung zum Guten immer gibt. Und wie wichtig dieses Projekt der <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Waldaistb\u00fchne<\/strong><\/span> zur st\u00e4ndigen Erinnerung und Mahnung ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr eventuelle Restkarten:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.waldaistbuehne.com\/home\/\">https:\/\/www.waldaistbuehne.com\/home\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension von Bernhard Paumann &#8211; Foto: Waldaistb\u00fchne Die Menschen (nicht alle) haben aus der Geschichte nichts gelernt und gerade deswegen ist es ungemein wichtig, an Ereignisse, die vollgesogen sind mit Brutalit\u00e4t, Menschenverachtung, Ausgrenzung, Herrenmenschentum und bedingungsloser Gl\u00e4ubigkeit an eine F\u00fchrerfigur (die sich im Nachhinein als ziemlich l\u00e4cherlich erweist), eindringlich zu erinnern. 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