{"id":19117,"date":"2024-07-16T23:30:02","date_gmt":"2024-07-16T22:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=19117"},"modified":"2024-07-16T23:36:55","modified_gmt":"2024-07-16T22:36:55","slug":"dogville-ein-lehrstueck-ueber-die-menschliche-niedertracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=19117","title":{"rendered":"Dogville \u2013 ein Lehrst\u00fcck \u00fcber die menschliche Niedertracht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dogville.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-19116\" src=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dogville-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dogville-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dogville-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dogville-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dogville.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Rezension und Foto &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.. Hermine Touschek<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Dogville<\/span><\/strong> ist ein &#8222;Rape-and-Revenge-Film&#8220;<span style=\"color: #000000;\"> aus dem Jahr 2003 &#8211; von <span style=\"color: #0000ff;\">Lars von Trier<\/span> i<\/span>n minimalistischer Dekoration gedreht. Die B\u00fchnenfassung stammt von <span style=\"color: #0000ff;\">Christian Lollike<\/span> (\u00d6sterreich-Premiere im Wiener Volkstheater 2006).<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des <strong><span style=\"color: #ff0000;\">25-Jahr-Jubil\u00e4ums<\/span><\/strong> der <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Grenzlandb\u00fchne Leopoldschlag<\/span><\/strong> wurde dieses St\u00fcck auf den Spielplan der <strong><span style=\"color: #ff0000;\">\u201eSommertheatertage 2024\u201c<\/span><\/strong> gesetzt &#8211; ein \u201eabsolutes Herzensprojekt\u201c der Theatergruppe. Premiere war am 13. Juli &#8211; Regie f\u00fchrte \u2013 wie schon bei vielen Produktionen in den Vorjahren \u2013 <strong><span style=\"color: #0000ff;\">Daniel Pascal<\/span><\/strong>.<\/p>\n<p>Auf der Flucht vor Gangstern strandet Grace in einem abgelegenen Bergdorf am Fu\u00dfe der Rocky Mountains. Tom, der sich als Schriftsteller und Missionar sieht, \u00fcberredet die Leute von Dogville, der Fremden Schutz zu gew\u00e4hren. Zum Dank beginnt Grace kleinere Arbeiten zu verrichten. Durch ihre f\u00fcrsorgliche Zuwendung und G\u00fcte ver\u00e4ndern sich die Menschen zun\u00e4chst zum Guten.<br \/>\nAls die Polizei auftaucht und steckbrieflich nach Grace sucht, beginnt die Stimmung zu kippen. Grace wird von jedem schikaniert und ausgebeutet, von den M\u00e4nnern vergewaltigt und den eifers\u00fcchtigen Frauen geschlagen. Sie wird zum Objekt von Bosheit, Macht und Gewalt.<\/p>\n<p>Keine leichte Kost, die das Publikum hier an einem lauen Sommerabend pr\u00e4sentiert bekommt. Lars von Trier gilt als das das \u201eEnfant terrible\u201c des Filmbusiness und nahm f\u00fcr Dogville das epische Theater von Bert Brecht als Grundlage (das Lied der Seer\u00e4uber-Jenny aus der Dreigroschenoper). Es geht um Themen wie, Schuld und S\u00fchne, Macht und Eigennutz, das Individuum und die Gruppe, wie wir sie auch aus \u201eDer Besuch der alten Dame\u201c von D\u00fcrrenmatt kennen. In der Banalit\u00e4t des Kleinstadtlebens spiegelt sich das ganze Leben. Die Drehb\u00fchne in Leopoldschlag veranschaulicht, dass sich bei den Einwohnern von Dogville alles nur um sich selbst dreht.<\/p>\n<p>Der Erz\u00e4hler aus dem Off (<span style=\"color: #0000ff;\">Daniel Pascal<\/span>) stellt mit seiner sanften, wohlklingenden Stimme einen gewollten Kontrast zum Geschehen auf der B\u00fchne dar. In 9 Kapiteln beschreibt er ironisch die Szenen sowie die Gedanken und Gef\u00fchle der Stadtbewohner.<\/p>\n<p>Der Film Dogville dauert 3 Stunden und das Theaterst\u00fcck (trotz K\u00fcrzung) verlangt dem Publikum und den SchauspielerInnen psychisch und physisch einiges ab.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Patrick Paukner<\/span> als der augenscheinliche Gutmensch Tom ist auf der Suche nach der Wahrheit und m\u00f6chte die Menschen besser machen. Er wechselt gekonnt zwischen Philosoph, Liebessucher und fiesem Verr\u00e4ter. Die Zuschauer erkennen auch zu guter Letzt, dass er sich selbst bel\u00fcgt.<br \/>\nSpielerisch beeindruckend gibt <span style=\"color: #0000ff;\">Bernhard Jahn<\/span> den polternden, immer schlecht gelaunten Obstbauer Chuck. Die Frustration \u00fcber sein Leben findet in seiner sexuellen Brutalit\u00e4t gegen\u00fcber Grace ein schreckliches Ventil.<br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">Martina Lanzersdorfer<\/span> ist eine auf der ganzen Linie \u00fcberzeugende, zerbrechliche Grace. Die Verst\u00e4ndnisvolle, die Verzeihende, die Gute &#8211; und als Zuschauer wird man zunehmend w\u00fctender, dass sie alles widerspruchslos ertr\u00e4gt. Grace ist quasi die Christusfigur, die alles verzeiht und auch noch die andere Wange hinh\u00e4lt. Man k\u00f6nnte auch meinen, sie provoziert die Enthemmung der anderen dadurch, dass sie keine Grenzen zieht. Zu guter Letzt wird sie vom Opferlamm zur Racheg\u00f6ttin.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Daniel Pascal<\/span> ist eine fesselnde, bedr\u00fcckende Inszenierung gelungen, die nachdenklich macht. Dogville als gro\u00dfes Lehrst\u00fcck \u00fcber Macht und Gnade, Leiden und Vergelten, Schuld und S\u00fchne \u2013 ein St\u00fcck \u00fcber die menschliche Verwerflichkeit. Als Publikum ist man auch dankbar, dass die Vergewaltigungen nur angedeutet werden. Es ist auch so eindringlich genug. Die Grenzlandb\u00fchne Leopoldschlag hat eine gute Ensembleleistung auf die B\u00fchne gebracht, die von den ZuschauerInnen mit Standing Ovations honoriert wurde.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Noch zu sehen:<\/span><br \/>\n19., 20., 26., 27., 30. Juli jeweils um 19.30 Uhr<br \/>\n28. Juli um 15 Uhr<br \/>\n1., 2., 3. August jeweils um 19.30 Uhr<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.grenzlandbuehne.at\/aktuell\/\">https:\/\/www.grenzlandbuehne.at\/aktuell\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension und Foto &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.. 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