{"id":22087,"date":"2026-04-14T12:32:18","date_gmt":"2026-04-14T11:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=22087"},"modified":"2026-04-14T18:31:05","modified_gmt":"2026-04-14T17:31:05","slug":"verstoerend-brutal-und-dennoch-ungemein-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=22087","title":{"rendered":"Verst\u00f6rend, brutal und dennoch ungemein wichtig"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Experiment.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22103\" src=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Experiment-234x300.png\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Experiment-234x300.png 234w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Experiment-117x150.png 117w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Experiment.png 626w\" sizes=\"auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><\/a>Rezension: Bernhard Paumann; Foto: TG Alberndorf<\/p>\n<p>\u201eDer Mensch ist ein Vieh\u201c (landl\u00e4ufiger Aphorismus); wenn er an der Macht ist, benimmt er sich wie eine rei\u00dfende Bestie, ist er unterdr\u00fcckt, nur mehr eine armselige Kreatur. Das ist die Aussage der neuesten Produktion <span style=\"color: #ff0000;\"> <em>\u201eDas Experiment\u201c<\/em><\/span> der <span style=\"color: #ff0000;\"> <strong>Theatergruppe Alberndorf<\/strong><\/span>, ein theatrales Wagnis, das in der derzeitigen politischen und moralischen Situation von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Katrin Hofstadler<\/span> f\u00fchrt ihr Ensemble geschickt durch den Niedergang jeglicher menschlicher Handlungsweise. Zehn Freiwillige nehmen an einer scheinbar harmlosen sozialwissenschaftlichen Studie teil, die Dr. Thon (<span style=\"color: #0000ff;\">Helmut Madlmair<\/span>) und seine Assistentin (<span style=\"color: #0000ff;\">Katharina Ebenhofer<\/span>) mit brutaler Vorgehensweise durchziehen wollen. Vier erhalten Macht, die \u00fcbrigen m\u00fcssen sich konsequent an die Regeln halten. <span style=\"color: #0000ff;\">Daniel Kastenhofer<\/span> als Berus, der sich vom \u201eWaserl\u201c zum brutalen Schl\u00e4ger entwickelt, und <span style=\"color: #0000ff;\">Hannes Fabian<\/span> als Eckert, dem die Macht zu Kopfe steigt und echte \u201eFolterqualit\u00e4ten entwickelt, zeigen konsequent, wie falsch verstandene Autorit\u00e4t zu Machtmissbrauch eskaliert. Renzel (<span style=\"color: #0000ff;\">Elke Glas<\/span>) agiert verhaltener, <span style=\"color: #0000ff;\">Max Kapeller<\/span> als Bosch versucht zu verbinden und scheitert damit.<\/p>\n<p>Die \u201eGefangenen\u201c, die sich nur mit ihren Nummern anreden d\u00fcrfen, agieren in diesem Milieu von Angst, Ohnmacht und Verzweiflung unterschiedlich. <span style=\"color: #0000ff;\">Klaus Hofstadler<\/span> mimt vorerst den Revoluzzer und hat starke Momente, wenn er die anderen auf seine Seite bringen will, <span style=\"color: #0000ff;\">Martin Ganglberger<\/span> sieht sein Heil im Stockholm Syndrom. <span style=\"color: #0000ff;\">Kathrin Hofstadler und Viktoria Kastenhofer<\/span> realisieren stark die Opferrolle, <span style=\"color: #0000ff;\">Marie Schn\u00f6lzer und Robert Heinzl<\/span> wollen nur mehr vehement den Ausstieg aus dem Experiment. Beklemmende Szenen entwickeln sich da. Was eher gem\u00e4chlich im ersten Teil begann, der durchaus eine K\u00fcrzung vertragen h\u00e4tte und so die Pause, die aus der aufgebauten Spannung herausgerissen hatte, unn\u00f6tig gemacht h\u00e4tte, entwickelte sich mit einer ungeheuerlichen Rasanz im zweiten Teil. Und hier habe ich echtes, tiefes Spiel erlebt, das in der Katastrophe endet. Der ins Schluss-Black fallende Satz \u201eAber es ist doch nur ein Spiel\u201c verk\u00f6rpert die ganze Tragik des Machtmissbrauchs, der sehr an das \u201eMilgram Experiment\u201c erinnert.<br \/>\nBeklemmend auch das B\u00fchnenbild, das Gitterzellen darstellt und einen langen Gang simuliert, der durch eine Schiebet\u00fcr andere Schaupl\u00e4tze simuliert. (Einige Schiebungen weniger h\u00e4tten auch gereicht).<\/p>\n<p>Dass sich eine Gruppe \u00fcber ein so gegenw\u00e4rtiges, h\u00f6chst aktuelles Thema dr\u00fcber traut, ist im h\u00f6chsten Ma\u00dfe zu loben und sollte Ansto\u00df sein (auch f\u00fcr andere Gruppen) f\u00fcr weitere Produktionen. \u201eDas Experiment\u201c war verst\u00f6rend, brutal und dennoch ungemein wichtig.<\/p>\n<p>Noch zu sehen:<\/p>\n<p><span class=\"desktop-font-size-20\">Donnerstag \u00a0 16.04.2026 19:00<\/span><br \/>\n<span class=\"desktop-font-size-20\">Freitag \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a017.14.2026 20:15<\/span><br \/>\n<span class=\"desktop-font-size-20\">Samstag \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a018.04.2026 20:15<\/span><br \/>\n<span class=\"desktop-font-size-20\">Sonntag \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a019.04.2026 19:00<\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theater-alberndorf.at\/\">https:\/\/www.theater-alberndorf.at\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension: Bernhard Paumann; Foto: TG Alberndorf \u201eDer Mensch ist ein Vieh\u201c (landl\u00e4ufiger Aphorismus); wenn er an der Macht ist, benimmt er sich wie eine rei\u00dfende Bestie, ist er unterdr\u00fcckt, nur mehr eine armselige Kreatur. 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