{"id":22282,"date":"2026-07-06T21:02:03","date_gmt":"2026-07-06T20:02:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=22282"},"modified":"2026-07-10T19:35:10","modified_gmt":"2026-07-10T18:35:10","slug":"die-leistungsgesellschaft-laesst-wieder-einmal-gruessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=22282","title":{"rendered":"Die Leistungsgesellschaft l\u00e4sst wieder einmal gr\u00fc\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22280\" src=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim-1320x881.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rezension: Hermine Touschek, Fotos: Sabine Pr\u00f6tsch &#8230;&#8230;&#8230;.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">\u201eFrau M\u00fcller muss weg\u201c<\/span> von <span style=\"color: #0000ff;\">Lutz H\u00fcbner<\/span> und <span style=\"color: #0000ff;\">Sarah Nemitz<\/span> hatte in der Bearbeitung und Regie von <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Uwe Marschner<\/strong><\/span> am 26. Mai in der <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Kellerb\u00fchne Puchheim<\/span><\/strong> Premiere.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck wurde 2010 in Deutschland uraufgef\u00fchrt. Im Jahr 2015 folgte zudem eine erfolgreiche Verfilmung.<\/p>\n<p>Die Eltern der Klasse 4b sind in heller Aufregung. Offenbar gibt es Spannungen und Probleme innerhalb der Klasse. Am Ende des Schuljahres wird sich zeigen, wer den Sprung aufs Gymnasium schafft \u2013 und wer nicht. Die Klassenlehrerin, Frau M\u00fcller (<span style=\"color: #0000ff;\">Sabine Mospointner<\/span>), wird zum Elternabend gebeten \u2013 oder besser gesagt: zur Krisensitzung. Es wurden Unterschriften von allen Eltern gesammelt, und die 5 anwesenden Elternvertreter legen diese Frau M\u00fcller vor. Es kann nur eine L\u00f6sung geben: Frau M\u00fcller muss weg.<\/p>\n<p>Was die Eltern dabei geflissentlich ausblenden, ist das Verhalten ihrer eigenen Kinder. Deren Respektlosigkeit und mangelnde Disziplin w\u00fcrden wohl selbst die geduldigste Lehrkraft an ihre Grenzen bringen. Frau M\u00fcller bleibt den Angreifern jedoch nichts schuldig: Sie schl\u00e4gt zur\u00fcck und h\u00e4lt den Eltern ihre eigenen Vers\u00e4umnisse und Widerspr\u00fcche schonungslos vor Augen. Der Konflikt eskaliert und Frau M\u00fcller st\u00fcrmt wutentbrannt, den Tr\u00e4nen nahe, aus dem Klassenzimmer. Da sie dabei ihre Handtasche samt Schl\u00fcsselbund zur\u00fcckl\u00e4sst, erwarten die zur\u00fcckbleibenden Eltern ihre baldige R\u00fcckkehr.<\/p>\n<p>Nach kurzer Wartezeit und erneuter Beratung machen sich einige der Elternabordnung schlie\u00dflich in der gesamten Schule auf die Suche nach der Lehrerin.<br \/>\nMan nutzt die Zeit auch, um das aufgeregte Gespr\u00e4ch noch einmal Revue passieren zu lassen. Alte Konflikte brechen wieder auf, sorgsam aufgebaute Fassaden geraten ins Wanken, und schon bald richten die Eltern ihre Angriffe nicht mehr gegen Frau M\u00fcller, sondern gegeneinander \u2013 mit derselben Vehemenz, die sie zuvor noch im gemeinsamen Kampf vereinte.<br \/>\nAls Frau M\u00fcller am Abend doch zur\u00fcckkehrt, um ihre Handtasche zu holen, wendet sich das Blatt pl\u00f6tzlich gleich mehrfach.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bedient das St\u00fcck so manches Klischee \u2013 und genau darin liegt ein gro\u00dfer Teil seines Reizes. Mit sichtbarer Spielfreude und feinem Gesp\u00fcr verleihen die SchauspielerInnen\u00a0 den Figuren Leben. Wer im Schulbetrieb arbeitet, wei\u00df allerdings nur zu gut: Diese vermeintlichen Klischees sind keineswegs blo\u00dfe Erfindungen. Man begegnet ihnen \u00f6fter, als einem lieb ist \u2013 manchmal sogar im eigenen Lehrerzimmer oder beim n\u00e4chsten Elternabend.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22281\" src=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Puchheim1-1320x881.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unter der Regie von <span style=\"color: #0000ff;\">Uwe<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">Marschner<\/span> wird das St\u00fcck zum Kammerspiel, das die Verzweiflung, den Leistungsdruck und die Egozentrik moderner Eltern (sog. Helikopter-Eltern) messerscharf zeichnet. Die Inszenierung findet eine perfekte Balance zwischen Humor, intelligenten Dialogen und tiefsch\u00fcrfender Gesellschaftskritik &#8211; unterhaltsam und tiefgr\u00fcndig zugleich.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Sabine Mospointner<\/span> spielt Frau M\u00fcller \u00fcberzeugend als eine leicht tollpatschige Lehrerin. Die selbstbewusste und erfahrene P\u00e4dagogin nimmt ihr das Publikum ohne jede Frage ab. Es gelingt ihr gro\u00dfartig, zwischen eigenen Emotionen, zwischen Zuneigung zu den Kindern und Aggression gegen\u00fcber den Eltern zu wechseln.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Carina Unterberger<\/span> als Jessica H\u00f6fel ist eine \u00fcberzeugende Karrierezicke, gef\u00fchlskalte und arrogante Figur, die sich selbst zur Frontfrau der Elterninitiative erkl\u00e4rt. Den Abend hatte sie sich vermutlich etwas harmonischer vorgestellt. Als sich dieser Wunsch in Luft aufl\u00f6st, mutiert sie zur verbalen Kampfmaschine. Mit der Pr\u00e4zision einer Ankl\u00e4gerin z\u00e4hlt sie Frau M\u00fcllers vermeintliche Fehltritte auf. \u00a0Es zeigt sich dann aber auch, dass sie \u00fcber die Verfehlungen ihre Tochter Laura bestens informiert ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Matthias Hirsch<\/span> als Wolf Heider interpretiert gro\u00dfartig ein konfliktscheues Weichei. Seine Mischung aus Unentschlossenheit und penetranter Rechthaberei macht die Figur herrlich unerquicklich \u2013 und genau deshalb so \u00fcberzeugend. \u00a0Ein chronisch \u00fcberforderter Vater, der mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit in jedes Fettn\u00e4pfchen tritt und dabei eine soziale Katastrophe nach der n\u00e4chsten ausl\u00f6st.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Simone Hirsch<\/span> und <span style=\"color: #0000ff;\">Rahel Schmidbauer<\/span> geben das lesbische Paar, Marina und Patrizia Moser, denen es vor allem um die Ausgrenzung ihres vermeintlich hochbegabten Sohnes geht. Marina ist die widerwillige Exil-Grazerin und duldet keinen Angriff auf ihren kleinen Lukas. Als der Sohn kurzerhand zum Klassenclown mit ADHS abgestempelt wird, verwandelt sich ihre bieder-besorgte Fassade in k\u00e4mpferische Wut. Ehefrau Patrizia (<span style=\"color: #0000ff;\">Rahel<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">Schmidbauer<\/span>) gibt zun\u00e4chst die Vermittlerin, doch auch ihr entgleitet schlie\u00dflich die Situation: Die Contenance ist dahin \u2013 und der Streit endet im Gebr\u00fcll gegen Marina.<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Janet Beer<\/span> verleiht der alleinerziehenden Mutter des Klassenbesten, Katja Grabowski, viel Charme und Herzlichkeit. Sie schlie\u00dft sich dem Widerstand weniger aus \u00dcberzeugung als aus demokratischer Loyalit\u00e4t zur Mehrheit an. Gerade diese Ambivalenz spielt <span style=\"color: #0000ff;\">Janet Beer<\/span> mit feinem Gesp\u00fcr aus. W\u00e4hrend sich die \u00fcbrigen Eltern gen\u00fcsslich in Hysterie und \u00dcberzeichnung verlieren, setzt sie auf leise T\u00f6ne \u2013 und sorgt mit ihrer zur\u00fcckgenommenen, glaubw\u00fcrdigen Darstellung f\u00fcr einen wohltuenden Gegenpol.<\/p>\n<p>Das Ensemble formt eindringlich und nuancenreich Charaktere: widerspr\u00fcchliche Menschen mit Ecken, Kanten und Br\u00fcchen, die mit Pr\u00e4zision, Energie und beeindruckender Wahrhaftigkeit Gestalt annehmen.<\/p>\n<p>Wir freuen uns auf das n\u00e4chste Theaterprojekt der Kellerb\u00fchne Puchheim.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension: Hermine Touschek, Fotos: Sabine Pr\u00f6tsch &#8230;&#8230;&#8230;. \u201eFrau M\u00fcller muss weg\u201c von Lutz H\u00fcbner und Sarah Nemitz hatte in der Bearbeitung und Regie von Uwe Marschner am 26. Mai in der Kellerb\u00fchne Puchheim Premiere. Das St\u00fcck wurde 2010 in Deutschland uraufgef\u00fchrt. Im Jahr 2015 folgte zudem eine erfolgreiche Verfilmung. 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