{"id":5498,"date":"2015-03-31T15:49:21","date_gmt":"2015-03-31T14:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ooe-theaterverband.com\/?p=5498"},"modified":"2015-04-01T06:23:52","modified_gmt":"2015-04-01T05:23:52","slug":"der-ritt-zum-bodensee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=5498","title":{"rendered":"Der Ritt zum Bodensee"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.ooe-theaterverband.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Bodensee.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5497\" src=\"http:\/\/www.ooe-theaterverband.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Bodensee-300x224.jpg\" alt=\"Bodensee\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Bodensee-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Bodensee-200x150.jpg 200w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Bodensee-600x449.jpg 600w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Bodensee.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bericht von &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230; Bernhard Paumann<\/p>\n<p>Nun ja, zugegeben, ein richtiger Ritt war es nicht, sondern eine gem\u00fctliche Busfahrt, die 27 Theaterbegeisterte \u2013 Vorstandsmitglieder, Theaterenthusiasten und theateraffine G\u00e4ste aus Wien \u2013 nach <strong>Friedrichshafen<\/strong> zu den <span style=\"color: #ff0000;\">31. Theatertagen am See<\/span> vom 27. bis 29. M\u00e4rz lockte, vorbildlich organisiert und betreut durch unseren Chefredakteur <strong>Sepp Mostbauer.<\/strong> Und was gab es da nicht an interessanten Produktionen zu sehen.<\/p>\n<p>Der freie Freitagvormittag f\u00fchrte uns in das ber\u00fchmte Zeppelinmuseum, wo ein enthusiasmierter F\u00fchrer uns in die Geheimnisse der Luftschifferei einf\u00fchrte und die \u201eHindenburg\u201c (oder die geretteten Reste) seine eigentliche Wohnung sei. Der Abend startete \u2013 ohne gro\u00dfe Er\u00f6ffnungszeremonie \u2013 mit einem starken St\u00fcck, <strong>\u201eDer Kr\u00fcppel von Inishmaan\u201c<\/strong> (von Martin McDonagh) der <strong>Gruppe aus L\u00f6rrach<\/strong>, der anf\u00e4ngliche Schwung verflog allm\u00e4hlich und es beschlich einen die Frage: Warum wurde da nicht gek\u00fcrzt? Das St\u00fcck <strong>\u201eMy Soufiya\u201c<\/strong> der <strong>iranischen Gruppe<\/strong> zeigte stark die Problematik von Texttheater in einer Sprache, die keiner versteht. <strong>Wolfgang Mettenberger <\/strong>als Regisseur von <strong>Jura Soyfers \u201eWeltuntergang\u201c<\/strong> setzte stark auf Wirkung, fein gezeichnete Charaktere und ein einfaches, wirkm\u00e4chtiges B\u00fchnenkonzept, aber auch hier h\u00e4tte der eine oder andere Strich gut getan.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchlingshafte Bl\u00e4ue und lenzmilde Temperatur zogen einige \u00fcber den See zu einem Besuch in der Konzilsstadt Konstanz. Der harte Kern der Theaterer gab sich schon in der Bodensee-Schule in vormitt\u00e4glicher Fr\u00fche die Produktion <strong>\u201eJaques der Fatalist und sein Herr\u201c (nach Denis Diderot)<\/strong> der Heidelberger Gruppe <strong>\u201eDie Aussenspiegel\u201c<\/strong>. Beeindruckend die Umsetzung des 300 Jahre alten Stoffs, doch so richtig anr\u00fchren konnte das St\u00fcck nicht, die vorgesehene Umkehrung des Diener-Herr-Verh\u00e4ltnisses war nicht erschaubar. Ein Highlight bot die Z\u00fcrcher Gruppe <strong>\u201ePONYS\u201c<\/strong> mit Peter Bichsels Kurzgeschichte <strong>\u201eEin Tisch ist ein Tisch\u201c,<\/strong> aufgepeppt durch eigene Erfahrungen und Elementen des Bewegungstheaters (Regie: <strong>Kira von Eijsden<\/strong>). Jugendtheater in Spitzenqualit\u00e4t. Vielleicht schm\u00fcckt diese Produktion n\u00e4chstes Jahr unser Int. Jugendtheaterfestival in Kremsm\u00fcnster.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich den H\u00f6hepunkt der Theatertage \u2013 sie waren auch Gewinner des Theaterwettbewerbs (mit in der Jury unsere <strong>Hermine Touschek<\/strong>) \u2013 stellte die <strong>Spielgemeinschaft Vintl-Weitental aus S\u00fcdtirol<\/strong> mit ihrer Produktion <strong>\u201eWege mit Dir\u201c (Regie: Gerd Weigel)<\/strong>. Der anf\u00e4ngliche schnoddrige, arrogant-ironische Ton, den ein \u00e4lteres Semester, Kasper, in seiner Liebesbeziehung zu Anna anschl\u00e4gt, wandelt sich in v\u00f6llige Sprach- und Bewegungslosigkeit eines Dementen.<\/p>\n<p>Da die \u00f6sterreichische Produktion der Suchy-Truppe \u201eA Draamerei\u201c wegen Krankheit einer Spielerin ausfiel, sprang eine <strong>polnische Gruppe<\/strong> mit <strong>Schwarzem Theater<\/strong> ein. Die Faszination dieses Genres blieb in den sicher beeindruckenden Techniken stecken, es entwickelte sich keine Geschichte \u2013 die allzu laute Musik st\u00f6rte obendrein. <strong>Dario Fos \u201eOffene Zweierbeziehung\u201c<\/strong> der Theatergruppe <strong>Spielbrett aus Dresden (Regie: Ulrich Schwarz)<\/strong> bestach durch gewohnte Pr\u00e4zision in Spielf\u00fchrung und Charakterzeichnung.<\/p>\n<p>Am Sonntag ging es \u2013 noch dazu nach der Zeitumstellung \u2013 schon um 9 Uhr fr\u00fch los. Doch das machte sich bezahlt. Zuerst die <strong>Ulmer Gruppe Teatro International<\/strong>, ein bunter Haufen im wahrsten Sinne des Wortes, weil n\u00e4mlich Deutschkurs-Teilnehmer der VHS und aus aller Herren L\u00e4nder. Die Collage <strong>\u201eFremd ist der Fremde nur in der Fremde\u201c<\/strong> zeigte die eigenen Erfahrungen als Migranten einmal ernst, einmal komisch. Im Ged\u00e4chtnis haften bleibt die resolute Argentinierin, die als Putzfrau immer wieder Platz f\u00fcr die Auftritte der Akteure im gesamten Saal schuf. Gute Idee, einen Raum auf diese Weise zu bespielen.<\/p>\n<p>Das junge Ensemble des <strong>spinaTheaters aus Solingen<\/strong> setzte mit <strong>\u201eBrandmale\u201c<\/strong> beeindruckende Momente zerst\u00f6rerischer Mechanismen aus Angst, Hass und Verletzung. Mit einer fast selbstzerst\u00f6rerischen K\u00f6rperlichkeit und Intensit\u00e4t wurde die Eigenproduktion auf eine bald zerrissene, zerfetzte, bekleckste B\u00fchne gesetzt und hinterlie\u00df in den Zuschauern auch nachdenkliche Brandmale.<\/p>\n<p>Dass es auf der Heimfahrt regnete, machte den Abschied leichter, doch denke ich, dass so manche, die im Bus selig entschlummerten, wahrscheinlich die interessanten Produktionen aufgearbeitet haben. Diese Idee, gemeinsam ein Festival als Zuschauer zu besuchen, sollte zu einer Institution werden. <strong>Danke<\/strong>, dass es heuer gelungen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht von &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230; Bernhard Paumann Nun ja, zugegeben, ein richtiger Ritt war es nicht, sondern eine gem\u00fctliche Busfahrt, die 27 Theaterbegeisterte \u2013 Vorstandsmitglieder, Theaterenthusiasten und theateraffine G\u00e4ste aus Wien \u2013 nach Friedrichshafen zu den 31. Theatertagen am See vom 27. bis 29. M\u00e4rz lockte, vorbildlich organisiert und betreut durch unseren Chefredakteur Sepp Mostbauer. 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