{"id":5965,"date":"2015-10-11T22:45:42","date_gmt":"2015-10-11T21:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ooe-theaterverband.com\/?p=5965"},"modified":"2015-10-24T10:00:54","modified_gmt":"2015-10-24T09:00:54","slug":"darf-man-ueber-hitler-lachen-george-tabori-war-jude-er-darf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/?p=5965","title":{"rendered":"Darf man \u00fcber Hitler lachen?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.ooe-theaterverband.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5964\" src=\"http:\/\/www.ooe-theaterverband.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori-200x300.jpg\" alt=\"Tabori\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori-600x900.jpg 600w, https:\/\/www.amateurtheater-ooe.at\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Tabori.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rezension von &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;. Hermine Touschek<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">ATW \u2013 Austria Theater Werke<\/span> <\/strong>&#8211; hatten mit der Groteske <strong><span style=\"color: #ff0000;\">\u201eMein Kampf\u201c,<\/span><\/strong> des ungarisch-j\u00fcdischen Schriftstellers, Regisseurs und Theaterautors George Tabori, am 10. Oktober im Theater Maestro Premiere. <strong><span style=\"color: #0000ff;\">Martin Tr\u00f6binger<\/span><\/strong> inszenierte die Hitler Satire, in der als zentrales Element das Holocaust-Thema steht \u2013 wie in allen Theaterst\u00fccken von Tabori. Ein Gro\u00dfteil seiner Familie wurde von den Deutschen ermordet. F\u00fcr Tabori ist der Witz die \u201e perfekteste literarische Form\u201c. In mein \u201eMein Kampf\u201c versieht Tabori Schlomo Herzl mit einer j\u00fcdischen Identit\u00e4t, die sich auch durch den spezifisch j\u00fcdischen Humor auszeichnet.<\/p>\n<p>In einem M\u00e4nnerwohnheim in Wien wohnt der alte Jude Schlomo Herzl (<strong><span style=\"color: #0000ff;\">Johannes Renoldner<\/span><\/strong>), verkauft nachts B\u00fccher und schreibt an seinem Lebensroman, den er \u201eMein Kampf\u201c nennen m\u00f6chte. Eines Tages \u2013 um das Jahr 1910 &#8211; steht der junge Adolf Hitler (<strong><span style=\"color: #0000ff;\">Johannes Minichmair<\/span><\/strong>) mitten im Zimmer. Er m\u00f6chte sich, mit seiner Zeichenmappe unter dem Arm, an der Akademie der bildenden K\u00fcnste bewerben. Der gutm\u00fctige Schlomo nimmt sich v\u00e4terlich des weltfremden Provinzlers ohne Manieren an, obwohl dieser aus seinen antisemitischen Ansichten kein Hehl macht (&#8222;Die Juden und die Radfahrer sind an allem schuld&#8220;). Als Hitler mit seiner Bewerbung an der Akademie scheitert, r\u00e4t Herzl ihm, in die Politik zu gehen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Johannes Minichmair<\/span><\/strong> als Hitler verleiht der Figur etwas J\u00e4mmerliches, das im n\u00e4chsten Augenblick bedrohlich wirkt. Er verk\u00f6rpert Hitler als komischen, unsympathischen Charakter mit irrem, manischen Blick, aber keineswegs d\u00e4monisch. Eine wunderbare Kombination aus Arroganz, psychischer und physischer Verklemmung.<br \/>\n<strong><span style=\"color: #0000ff;\">Johannes Renoldner<\/span><\/strong> ist der warmherzige, \u00fcberzeugend liebende Herzl, der \u2013 Ironie des Schicksals &#8211; zum Geburtshelfer des B\u00f6sen wird. Etwas verschroben, aber sensibel und bewegend g\u00fctig, verk\u00f6rpert er den Juden, so wie Tabori ihn sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Ironisch-verschmitzt folgen die brillanten Wortkaskaden Taboris auf die w\u00fcsten Reden Hitlers.<br \/>\nGro\u00dfartige schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller.<br \/>\n<strong><span style=\"color: #0000ff;\">Irene Gruber<\/span><\/strong> ist Gretchen &#8211; eine naiv-erotische Kindfrau &#8211; die einmal w\u00f6chentlich mit Ihrem Besuch bei Herzl ein kleines Quentchen Gl\u00fcck bringt. Selbst sie erliegt Hitlers Magie und wird zum BDM-M\u00e4dchen.<br \/>\nFrau Tod (<strong><span style=\"color: #0000ff;\">Karin Huemer-Klinger<\/span><\/strong>) \u2013 \u00fcberlegen und undurchschaubar &#8211; nimmt Hitler schlie\u00dflich mit. Aber nicht als Leiche, denn in dieser Rolle sei er nur mittelm\u00e4\u00dfig, aber als T\u00e4ter \u2013 als einer ihrer gr\u00f6\u00dften Gehilfen &#8211; darin sei er ein Naturtalent.<\/p>\n<p>Mein Kampf bietet der Regie weder in den Figuren, noch in der Geschichte wirklich gr\u00f6\u00dfere Freiheiten. <strong><span style=\"color: #0000ff;\">Martin Tr\u00f6binger<\/span><\/strong> versteht es, den schmalen Grat zwischen Lachen und Grauen auszubalancieren. Er findet eine gute Mischung aus Tragik und Komik. Das Groteske wird nicht \u00fcbertrieben und wirkt deshalb umso bitterer.<\/p>\n<p>Tabori selbst sagte: &#8222;Irgendwann in diesen St\u00fccken h\u00f6rt der Scherz auf. Ich glaube, wenn ein Witz oder das Kom\u00f6diantische nicht als Inhalt etwas Todernstes hat, dann funktioniert er nicht f\u00fcr mich.&#8220;<br \/>\nSchlomo Herzls Satz am Ende, fasst das ganze St\u00fcck mehr oder weniger zusammen: \u201eIch war zu dumm zu erkennen, dass manche Menschen Liebe nicht ertragen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Absolut sehenswert und das noch zu folgenden Terminen:<br \/>\n15., 16., 22., 23. u. 24. Oktober jeweils 20 Uhr Im Linzer Theater Maestro<br \/>\n<a title=\"Tabori\" href=\"http:\/\/www.atw-theater.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.atw-theater.at\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension von &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;. Hermine Touschek ATW \u2013 Austria Theater Werke &#8211; hatten mit der Groteske \u201eMein Kampf\u201c, des ungarisch-j\u00fcdischen Schriftstellers, Regisseurs und Theaterautors George Tabori, am 10. Oktober im Theater Maestro Premiere. 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