Wer trägt die Schuld?

31. Juli 2018 | Von | Kategorie: Rezensionen

Horvath

Rezension von ………………………………. Karin Leutgeb

Seit 20 Jahren schon gibt es die Sommertheatertage in Leopoldschlag, ein Fixpunkt in der oberösterreichischen Sommertheater-Szene. Hier bringt die Grenzlandbühne Jahr für Jahr anspruchsvolle Volksstücke zur Aufführung, die eine zeitlose Problematik behandeln, abseits des komödiantischen Sommertheater-Mainstreams.

Dieses Jahr steht „Der jüngste Tag“ von Ödön von Horváth auf dem Programm, unter der Regie von Daniel Pascal.

In diesem Stück geht es um Schuld, Sühne und Rache, um Recht und Gerechtigkeit. Und wir erleben, wie schnell sich die Haltung des Einzelnen wandelt, wie schnell man hier das Lager wechselt, wenn es „ins Bild passt“.

Es gelingt Daniel Pascal mit seinem Ensemble eine dichte Atmosphäre zu schaffen, die durch das gelungene, reduzierte Bühnenbild noch unterstrichen wird.

Neben Christian Lemperle, der als Profi aus besetzungstechnischen Gründen ins Team geholt wurde und den Thomas Hudetz behutsam in all seinen Facetten zeigt, sind es vor allem die Damen, die sich besondere Aufmerksamkeit verdient haben: Martina Lanzerstorfer als junge, unbedarfte und lebenslustige Wirtstochter, die sich unter der Last der Schuld vollkommen verwandelt, Jana-Marie Bauer überzeugt als Kellnerin Leni, die trotz ihrer Jugend schon einen scharfen Blick für die menschliche Seele hat, und Karin Schinagl bringt in der Figur von Frau Leimgruber auf amüsante und dabei recht nachhaltige Weise den Dorftratsch auf die Bühne, der ein wichtiges, verbindendes Element zwischen den Figuren darstellt, gewissermaßen den Kitt der Gemeinschaft.

Ein gelungener Theaterabend der Grenzlandbühne, den hoffentlich noch recht viele Besucher genießen werden und der jetzt schon neugierig macht auf die Sommertheatertage 2019 in Leopoldschlag!

Noch zu sehen am:

1.,2.,3.,4. August jeweils um 20 Uhr
9.,10.,11. August jeweils um 20 Uhr
Sonntag, 12.August um 15 Uhr

https://www.grenzlandbuehne.at/

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  1. Ein Kuss und seine dramatischen Folgen

    Von Karlheinz Sandner – OÖ. Forum Volkskultur

    In Leopoldschlag wird nicht nur eine politische Grenze, sondern seit 20 Jahren erfreulicherweise auch Grenzen des von einem Amateurtheater normalerweise Erwartbaren überschritten: Es wird beim Sommertheater der Grenzlandbühne exzellentes Theater geboten. Mit der 39. Inszenierung ging die Laienbühne am 28.7.18 mit großer Spielfreude mit Ödön von Horváts „Der jüngste Tag“ in ihr 21. Spieljahr.

    Horváth (1901 – 1938) gilt als Erneuerer des Volksstücks. Meisterhaft beobachtet er die kleinbürgerliche Welt, ihre rasch wechselnde Gesinnungslage und ihre dunklen Seiten. So auch in „Der jüngste Tag“, darin die Auseinandersetzung mit Schuld oder Unschuld, Verantwortung und Wahrheit beschreibend – ausgelöst durch einen Kuss.

    Die Inszenierung Daniel Pascals – mit einfachem, jedoch effektvollem Bühnenbild von Friedrich Hoffelner unterstützt – verliert nie den Spannungsbogen, wobei auch Stille, immer wieder in den Dialog einbrechend, und überzeugendes Mienenspiel wichtige Elemente sind. So entstehen fesselnde szenische Höhepunkte.

    Dem Regisseur ist es in diesem herausfordernden Stück gelungen, das Ensemble zu einem beachtlichen Erfolg zu führen. Christian Lamperle gibt den phlegmatischen Vorstand, Inge Dornetshuber seine eifersuchtsgeplagte Frau, Herbert Schaumbeger deren distinguierten Bruder, Martina Lanzerstorfer glänzt als neckische Wirtstochter Anna, Jana-Marie Bauer als herzige Kellnerin Leni, Karin Schinagl ist die provokant-geschwätzige Frau Leimgruber, Dominik Chalupar ermittelt als strenger Staatsanwalt, Martin Oberngruber spielt überzeugend den gestandenen Dorfwirt, Tobias Maierhofer den ungestümen Fleischhauer, Ferdinand Schöllhammer einen seriösen Vertreter. In ihren Rollen gefielen auch Martina Böhm, Karl Wagner und mit vielversprechendem Talent die Kinder Johanna Manzenreiter und Alina Pilgerstorfer. Sie alle trugen zu einem begeisternden Theaterabend bei und ernteten herzlichen Applaus.

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