Pfeift! – Wider das Vergessen

17. März 2026 | Von | Kategorie: Rezensionen

Rezension: Bernhard Paumann, Foto: Ernst Roller – Kösslbachensemble

Pfeift! – Wider das Vergessen

heißt die Produktion einer namenlosen Gruppe von 5 Amateurschauspielerinnen, die sich mit dem Leben der den meisten unbekannten Marie Beutlmayr, der ersten weiblichen Abgeordneten zum oö. Landtag und später Bundesrätin, befasst.

Und auch die Genese dieses Stückes ist erstaunlich. Dr.in Martina Gugglberger, Professorin am Institut für Zeitgeschichte an der JKU, hielt in Neukirchen, dem Geburtsort Beutlmayrs, einen Vortrag über diese, den auch der SPÖ Gemeinderat von Eschenau, Ernst Roller, hörte und sich entschloss, dieser Pionierin der Frauenrechte zum 150. Geburtstag ein Denkmal zu setzen. Roller animierte den Historiker Florian Haider, geboren in Waldkirchen, zum Verfassen eines Stückes.

Der „Theaterprofessor aus Dachsberg“, Herbert Wiesinger, nahm sich der Thematik an und formte das Stück zu einem Juwel dokumentarischen Theaters. 2021 uraufgeführt in der Blüte der Coronazeit und seither mehr als erfolgreich präsentiert.

Wenn etwas „pfeift“, dann funktioniert etwas, ist etwas gut und es kann losgelegt werden. Übertragen auf die bodenständige Politik Marie Beutlmayrs ist damit ihr alltagspraktisches Tun gemeint. Marie Beutlmayr war eine Macherin, eine unermüdliche Kämpferin. Sie war unerschütterlich in ihrer Energie. Jeden freien Tag, jede freie Stunde war sie unterwegs in den Landgasthäusern, Wirtshausstuben, um entschlossen gegen die Verelendung der Frauen und Kinder anzukämpfen und um ein gemeinsames politisches Engagement zu organisieren.

Wiesinger führt die 5 Frauen (Birgit Romank, Monika Litzlbauer, Corinna Denk, Franziska Oberauer und Traudl Peham) unaufgeregt, subtil und lässt sie die Rollen ausleben. Auf einer mehr als kargen Bühne – ganz im Sinne von Grotowskis „Armem Theater“ – werden Zeitgeist, die gesellschaftlichen widrigen Verhältnisse, die nagende Armut und der unterirdisch brodelnde Widerstandsgeist lebendig. Man spürt förmlich, wie die Frauen ihre Rollen verinnerlichen und nicht mehr Rollen, sondern lebendige Menschen, hineingeworfen in die Zeitläufte, verkörpern. Die leicht stilisierten Kostüme, lange schwere Röcke, zeugen von dieser bäuerlichen, kleinbürgerlichen Urkraft.

Das Volksmusikensemble „Die Wieslingers“ (Paul und Maria Dunzinger, Gerhard Adlesgruber und Sabine Kriegner) weben einen Klangteppich, der das Geschehen auf der Bühne stimuliert und unaufdringlich die Stimmung einfängt und begleitet. Auch die gedämpften Lichtstimmungen (Kay, Ursula und Marvin Melaun) unterstreichen atmosphärisch die Zeitreise.

Pfeift!“ ist lebendiger Beweis, dass auch sogenanntes „ernstes“ Theater volle Häuser bringen kann und die Angst, „so etwas“ dem eigenen Publikum zumuten zu dürfen, vollkommen unbegründet ist.

Schreibe einen Kommentar

*