Dunkle Geheimnisse
30. März 2026 | Von Hermine Touschek | Kategorie: RezensionenRezension und Foto: Hermine Touschek ……
Die Theatergruppe Engerwitzdorf versetzte heuer ihr Publikum mit „Und dann gab‘s keines mehr“ von Agatha Christie in Angst und Schrecken. Für die Regie verantwortlich war Martina Haider.
Agatha Christie katapultierte sich 1939 mit „And Then There Were None“ auf den Krimi-Olymp. Das Buch wurde zum meistverkauften Kriminalroman aller Zeiten. Fünf Jahre später kam die Geschichte im Londoner West End und am Broadway auf die Bühne und wurde auch dort zum Erfolg.
Acht Unbekannte werden auf eine abgelegene Insel eingeladen. Die ominösen Gastgeber, Mr. und Mrs. U.N. Owen, lassen sich entschuldigen. In dem prächtigen Anwesen werden sie von Butler Thomas Rodgers (Erwin Schwarz) empfangen. Seine Ehefrau Ethel (Sissy Roitner) wird die Gäste als Köchin versorgen.
Für erste Verwirrung sorgt der Kinderabzählreim „Zehn kleine Kriegerlein“, der mit den entsprechenden Figuren im Raum drapiert wurde. Der Butler spielt auf Geheiß des abwesenden Gastgebers eine Schallplatte ab, auf der eine geisterhafte Stimme ertönt, die alle zehn Anwesenden anklagt, ungestraft den Tod einer oder mehrerer Personen verschuldet zu haben. Es wird schnell deutlich, dass es von dieser Insel kein Entrinnen gibt, weil kein Boot vorhanden ist.
Die Figuren, sind mit seltsam-befremdlichen Charakteren ausgestattet – mit schönen Spielarten an Schrulligkeit, Schrägheiten, Exzentrik und Skurrilität.
Jakob Schwarzenberger als junger, rücksichtsloser Lebemann Anthony Marston ist das erste Opfer nach dem Abzählreim.
Sigi Gstöttenmayr spielt den pensionierten Richter Sir Lawrence Wargrave – bekannt für seine strenge Haltung zur Gerechtigkeit, der zu seinen aktiven Zeiten die Todesstrafe leichtfertig verhängt hat. Eine unnahbare Figur, die jeder Situation gewachsen zu sein scheint.
Teresa Kralik als Vera Elizabeth Claythorne – eine junge Frau, die früher als Gouvernante gearbeitet hat und auf der Insel als Sekretärin arbeiten soll. Sie kämpft innerlich mit Schuldgefühlen über den Tod eines Jungen, auf den sie einst aufpasste. Das Publikum fragt sich, ob hinter ihrer scheinbar gespielten harmlosen Erotik doch noch ein Abgrund lauert.
Ronny Kirchmair als Philip Lombard kommt (gewollt) sehr unsympathisch herüber. Ein Ex-Militär Söldner mit zweifelhaftem Ruf, der eine Pistole auf die Insel mitgebracht hat. In der Vergangenheit nahm er an einer afrikanischen Expeditionen teil, bei der er eine fragwürdige Entscheidung an der Grenze zur Moral traf.
Annemarie Lettmayr ist Dr. Eda Armstrong – eine überzeugend vertrauensvolle gutmütige Ärztin, die von Chirurgin auf Nervenärztin umsattelte, weil sie ehemalige Alkoholikerin ist.
Hubert Wögerbauer spielt den undurchsichtigen Mr. Blore – oder heißt er doch Davies (?) – ein ehemaliger Polizeibeamter. Etwas großspurig und ohne jeden Selbstzweifel, hat auch er in der Vergangenheit eine Ungerechtigkeit begangen.
Joschi Kürnsteiner als General Mackenzie scheinbar liebenswert, segnet auch bald im Stück das Zeitliche. Er hat sich vor Jahren des Liebhabers seiner Frau entledigt.
Doris Wöckinger als Emily Brent – ist eine überzeugende bissige, alte Jungfer. Streng und religiös, die keine Schuld für den Tod eines jungen Dienstmädchens empfindet, das sie wegen eines moralischen Vergehens entlassen hat. Ihr Spiel lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie Gott immer auf ihrer Seite hat.
Erwin Schwarz und Sissy Roitner sind die Angestellten auf der Insel. Beide verbergen ihre Schuld am Tod ihrer früheren Arbeitgeberin, um die sie sich in ihren letzten Tagen nicht ausreichend gekümmert haben.
Eine recht finstere Geschichte entspinnt sich hier auf der Insel und schnell wird klar, dass der Mörder (die Mörderin) unter den Personen auf dem Anwesen ist. Er oder sie hält sich hinterlistig strikt an die Verse des schauderhaften Kinderreims. Es stellt sich unweigerlich die Frage nach Schuld und Sühne und im Zuge dessen wird das Gerechtigkeitsempfinden der Zuschauer auf die Probe gestellt.
Ein spannend inszeniertes Katz- und Mausspiel, bei dem die Gäste genüsslich gegeneinander ausgespielt werden. Überzeugend umgesetzt wächst das Misstrauen – man traut keinem mehr. Es wird reichlich gestorben, mal dezent im Hintergrund, mal packend auf offener Bühne. Das Publikum wird gekonnt auf falsche Fährten geführt.
Düster und beängstigend auch das sehr realistisch visualisierte rauschende Meer. Die Stimmungen, Tag und Nacht, Seewetter, die Beleuchtung- von Sonnenlicht und Kerzenschimmer, Blitz und Regen – tragen zur spannungsgeladenen Handlung bei. Gratulation an das Technikteam (Christoph Göweil, Paul Kralik, Paul Lasinger, Hubert Hametner, Robert Prammer). Auch das Publikum rätselt und fiebert mit (die Auflösung wird nicht verraten).

