Wenn zu viele Schlüssel in einem Schloss stecken…
23. März 2026 | Von Hermine Touschek | Kategorie: Rezensionen
Rezension: Christian Maier; Foto: Josef Reiter …………
… dann wird der Abend herrlich turbulent.
Die Schlierbacher Spielschar hat sich nach einjähriger Pause der Komödie „Ein Schlüssel für zwei“ der beiden Autoren John Chapman und Dave Freeman – in der deutschen Fassung von Paul Overhoff – gewidmet.
Harriet (Monika Freudenthaler) führt zwei Beziehungen gleichzeitig: mit Gordon (Thomas Minichmair), einem freundlichen, etwas gutgläubigen Werbefachmann, und mit Alec (Bernhard Zacherl), einem sportlichen, impulsiven Besitzer eines Fischkutters. Beide glauben, Harriets einziger Partner zu sein – und beide steuern erheblich zur Finanzierung von Harriets Lebensunterhalt bei. Solange sich Gordon und Alec an ihre festen Besuchszeiten halten, funktioniert Harriets System Dank ihrer erfundenen „Mami“ erstaunlich gut.
Doch eines Abends rutscht Gordon unglücklich auf einem von Alec mitgebrachten Fisch aus und verletzt sich derart, dass an ein Heimgehen nicht zu denken ist. Harriet versucht, die Situation zu retten, doch bevor sie eine Lösung findet, steht auch Alec plötzlich vor der Tür. Damit beginnt ein immer schneller werdendes Versteckspiel: Harriet muss die beiden Männer voneinander fernhalten, Ausreden erfinden und Türen im richtigen Moment öffnen oder schließen.
In dieses Chaos platzt auch noch ihre Jugendfreundin Anne (Helene Baumgartner), die selbst gerade eine Ehekrise durchmacht. Anne will eigentlich nur Trost suchen, wird aber sofort in Harriets Lügenkonstrukt hineingezogen. Sie muss sich spontan Rollen ausdenken – mal als Krankenschwester, mal als Ehefrau, mal als Fremde – je nachdem, welche Geschichte Harriet gerade aufrechterhalten muss. Und dann ist da noch Richard (Martin Schneider) – der Mann, der eigentlich nur seine Ruhe will und stattdessen mitten in Harriets Liebes-Labyrinth landet. Richard ist der Typ, der schon mit einem einzigen Blick sagen kann: „Ich habe keine Ahnung, was hier passiert, aber ich bin mir sicher, ich sollte nicht hier sein.“ Seine Mischung aus höflicher Ratlosigkeit und unfreiwilliger Komik – vor allem nach erheblicher Menge an konsumiertem Alkohol – macht ihn zum perfekten Treibstoff für noch mehr Turbulenzen. Als dann auch noch die Ehefrauen der beiden Casanovas – Mildred (Alexandra Brösenhuber) und Magda (Gerlinde Tretter-Rohregger) – ins Spiel kommen, wird die Lage zunehmend verwickelter, bis schließlich alles zusammenbricht und die Wahrheit ans Licht kommt.
Besonders gelungen ist die Art, wie die Regisseure Thomas Minichmair und Bernhard Zacherl die Situationskomik betonen, ohne dabei ins Klamaukige abzurutschen. Mit konsequent hohem Tempo führen die beiden durch das turbulente Geschehen. Kleine gestische Details, bewusst gesetzte Pausen und ein gutes Gefühl für Gruppendynamik sorgen dafür, dass die temporeich inszenierte Handlung trotz aller Verwirrungen stets nachvollziehbar bleibt.
Die Inszenierung von „Ein Schlüssel für zwei“ zeigt, wie brillant eine klassische britische Farce funktionieren kann, wenn Regie, Ensemble und Timing perfekt ineinandergreifen. Das Stück– entfaltet in Schlierbach all seine Stärken: rasante Verwechslungen, pointierte Dialoge und Figuren, die mit jeder Szene noch liebenswerter und chaotischer werden.
Kompliment an das ganze Team!
Noch zu sehen:
Samstag, 28.03.2026 – 19:30
Sonntag, 29.03.2026 – 18:00
