Charly‘s Tante 2.0 – die Komödie bekommt ein Gender-Upgrade
8. März 2026 | Von Hermine Touschek | Kategorie: RezensionenRezension u. Foto: Christian Maier ……………..
Mit „Charly‘s Tante reloaded“ legt die Mosaikbühne Ottnang/Hausruck eine Komödie vor, die zeigt, wie lebendig, überraschend und publikumsnah modernes Boulevardtheater sein kann.
Die in Südhessen aufgewachsene Autorin Winnie Abel, wird seit Jahren für ihre pointenreichen Stücke wie etwa „Neurosige Zeiten“ oder „Es fährt kein Zug nach Nirgendwo“ gefeiert und wagt sich mit „Charlys Tante reloaded“ an einen Klassiker der Verwechslungskomödie. Sie schafft es vortrefflich, ihr Frische zu verleihen, die das Publikum vom ersten Moment an einfängt.
Die Grundidee ist vertraut: Männer in Not, eine Tante, die plötzlich nicht verfügbar ist, und eine Notlüge, die sich irgendwie verselbstständigt – so weit, so bekannt. Abel greift diese vertraute Form zwar auf, nutzt sie jedoch nicht als nostalgisches Zitat, sondern als Ausgangspunkt für eine temporeiche und zeitgemäße Komödie. Sie spielt geschickt mit den Erwartungen des Publikums -erfüllt sie mit Leichtigkeit und entwickelt daraus eine Handlung, die sich Szene für Szene aufbaut und weiter zuspitzt.
Charly (Thomas Gröstlinger) und Joe (David Fellner) – beide geschieden – befinden sich zweckmäßig in einer Männer-WG. Doch so richtig zufrieden sind sie nicht. Das weibliche Geschlecht fehlt eindeutig. Es ist also wenig überraschend, dass vor allem Charly zunehmend nervös wird, als nebenan die neue Nachbarin Nelly (Elisabeth Haslinger) einzieht und diese von ihrer Schwester Doro (Heidi Steinbichler) begleitet wird. Noch dazu, wo er Doro bei einem Gender-Seminar kennengelernt und sich umgehend in sie verliebt hat. Nachdem die zwei Freunde die Schwestern beeindrucken und zum Dinner einladen möchten, brauchen Sie unbedingt eine seriöse Anstandsdame. Da kommt Charly’s Tante Liz (Ildiko Froschauer) – eine Stilikone aus New York – gerade recht. Doch als alles auf Schiene scheint, sagt die Tante kurzerhand ab und Joe wird als Tanten-Ersatz zum vermeintlichen Retter der Situation.
Mit dem überraschenden Auftauchen des querulantischen Nachbarn Pfeiffer (Alois Fellner) nimmt das Chaos allerdings erst richtig Fahrt auf. Der verguckt sich ausgerechnet in die falsche Tante und sorgt mit einem spontanen Heiratsantrag für zusätzliche Verwirrung. Als dann auch noch die echte Tante zu einem Blitzbesuch hereinschneit und Joes Ex Michaela (Sandra Holzmannhofer) samt der gemeinsamen Tochter Susi (Magdalena Haslinger) auftaucht, ist das Durcheinander endgültig perfekt.
Unter der Regie von Hubert Lagler werfen sich die Darstellerinnen und Darsteller allesamt mit spürbarer Spielfreude in die ihnen zugedachten Rollen. Genau diese Energie überträgt sich unmittelbar auf das Publikum. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet: aufgedreht, leicht verrückt, aber nie grotesk und dennoch mit Herz. Jede Figur bekommt ihren Moment, jede bringt eine eigene Farbe in das komödiantische Gesamtbild. Ob resolute Nachbarin, genderversessene Schwester (oder heißt es inzwischen Schwesterin), misstrauischer Verehrer oder angehende Influencerin – sie alle tragen dazu bei, dass das Chaos glaubwürdig und zugleich herrlich überdreht wirkt.
„Charly‘s Tante reloaded“ ist eine Komödie, die zeigt, wie lebendig und zeitgemäß ein Klassiker sein kann, wenn Regie und SchauspielerInnen mit Herzblut und Humor ans Werk gehen.
Noch zu sehen am:
6.3. u. 7.3. jeweils um 20 Uhr
8.3. um 18 Uhr
13.3. u. 14.3. jeweils um 20 Uhr
15.3. um 18 Uhr
20.3. u. 21.3. jeweils um 20 Uhr

