Eine Lücke, die man sich gerne merkt!
20. März 2026 | Von Hermine Touschek | Kategorie: RezensionenRezension: Christian Maier, Foto: TG Neukirchen/Vöckla
Der aus Inzigkofen in Baden-Württemberg stammende Autor Bernd Gombold ist bekannt für seine pointierten und volksnahen Lustspiele. Der am Programm der Theatergruppe Neukirchen an der Vöckla stehende Schwank „Die Gedächtnislücke“ reiht sich nahtlos in diese Tradition ein.
In der in einem kleinen Dorf angesiedelten Komödie taumelt Bürgermeister Franz Kübele (Mario Haslinger) durch einen Tag, an dem wirklich alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Erst vergisst er seinen Hochzeitstag – ein Fehler, der ihm daheim prompt eine Gewitterfront in Gestalt seiner Frau Helene (Annemarie Fürtbauer) einbringt. Kaum hat er sich davon erholt, marschiert wie jeden Tag das überfeine und pedante Ehepaar Ludwiga und Heinz-Harald Silberstein (Eleonore Bruckschwaiger und Anton Preundler) ins Amt, um sich über alles zu beschweren, was Geräusche macht: vom krähenden Hahn über die probende Musikkapelle bis hin zu den lautstarken Kirchenglocken.
Beim heldenhaften aber verhängnisvollen Versuch, die Glocken eigenhändig zum Schweigen zu bringen, verliert Franz dann auch noch sein Gedächtnis. Amtsleiter Sepp (Bernhard Hangler) erkennt sofort seine Chance und nutzt die Verwirrung mit der Eleganz eines Fuchses im Hühnerstall. Gleichzeitig sorgt Sekretärin Hannelore (Manuela Maringer) mit ihrem unerschütterlichen Tatendrang dafür, dass das Chaos endgültig Überstunden macht.
Und mittendrin: Emma vom G‘schäft ums Eck (Maria Möslinger), die jedes auch noch so skurrile Gerücht aufschnappt, umgehend weiterträgt und sich die „exklusiven Neuigkeiten“ mit kleinen Geschenken sichert – völlig egal, ob sie stimmen oder nicht.
Unter der Regie von Johann Möslinger verwandelt sich der chaotische Alltag des Bürgermeisters in ein komödiantisches Schlachtfeld. Das gesamte Ensemble stürzt sich mit einer ansteckenden Spielfreude in ihre Rollen, als hätten sie persönlich darauf gewartet, endlich einmal so richtig auf den Putz zu hauen.
Das Ehepaar Silberstein beschwert sich mit hervorragend aristokratischem Gehabe über jedes Geräusch im Ort, Sepp nutzt den Gedächtnisverlust des Bürgermeisters mit der Eleganz eines Polit-Profis, und Hannelore sorgt mit ihren Aktionen für zusätzliche Schlaglöcher im ohnehin holprigen Amtsbetrieb.
Regisseur und Ensemble treiben die Szenen so gekonnt auf die Spitze, dass selbst die Gerüchtehändlerin Emma zur heimlichen Heldin des Abends wird.
Die Inszenierung von „Die Gedächtnislücke“ zeigt, wie charmant Chaos sein kann, wenn es mit einem Augenzwinkern präsentiert wird.
Noch zu sehen am:
FR. 20.03.26 – (18:00 Uhr)
SA. 21.03.26 – (19:30 Uhr)
MI. 25.03.26 – (19:30 Uhr)
FR. 27.03.26 – (18:00 Uhr)
SA. 28.03.26 – (19:30 Uhr)

