Wenn Verbrechen Karriere macht
16. April 2026 | Von Hermine Touschek | Kategorie: RezensionenRezension und Foto: Christian Maier ……………..
Schon in den ersten Minuten wurde klar, dass die Theatergruppe Haag am Hausruck mit ihrem neuen Stück „Mein fabelhaftes Verbrechen“ von Louis Verneuil, und Georges Berr, nicht einfach nur unterhalten will – sie will überraschen, berühren und das Publikum mit einer Intensität ins Geschehen ziehen, die man auf Bühnen des Amateurtheaters selten erlebt. Was an diesem Abend folgte, war ein ebenso feinfühliges wie kraftvolles Zusammenspiel aus Spielfreude, Präzision und einer Originalität, die einmal mehr die Kreativität der Regie von Karin Vrecun bestätigt.
Im Paris der 1930er-Jahre wird ein prominenter Theaterproduzent ermordet. Der zuständige Untersuchungsrichter Rabusset (Hans Donnermair) vernimmt sämtliche Personen, die am Tag des Verbrechens Kontakt mit dem Opfer hatten. Unter ihnen befindet sich auch die von Inspektor Brun (Raphael Kaltenecker) verhaftete Madeleine Verdier (Andrea Donnermair), eine mittellose und kaum beachtete Schauspielerin. Sie war die letzte, die den Produzenten lebend gesehen hat. Obwohl sie unschuldig ist, nutzt sie die Situation, um mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, und behauptet öffentlich, den Mord begangen zu haben.
Zwölf Geschworene müssen nun im anschließenden Prozess über Schuld oder Unschuld von Madeleine entscheiden und machen es sichtlich nicht leicht.
Genial die Idee zwei der zwölf Geschworenen unter dem Vorwand einer Erkrankung aus dem Publikum zu holen. Sowohl das Publikum, als auch die Neo-Protagonisten hatten sichtlich Spaß an der Aktion.
Schließlich wird Madeleine, die von ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Pauline (Elisa Holzmann) – einer gleichaltrigen, arbeitslosen Anwältin – vertreten wird, wegen Notwehr freigesprochen. Von einem Moment auf den anderen verändert sich ihr Leben grundlegend: Plötzlich stehen ihr Ruhm und finanzielle Möglichkeiten offen.
Doch Madeleines neu gewonnenes Leben gerät ins Wanken, als die tatsächlichen Hintergründe des Mordes ans Licht kommen. Die wahre Täterin tritt hervor – verärgert darüber, dass jemand anderes von ihrer Tat profitiert. Odette Chaumette (Daniela Rebhan) – eine Schauspielerin aus Stummfilmzeiten – fordert vehement, Madeleine solle ihr das „gestohlene“ Verbrechen „zurückgeben“, und setzt sie damit zunehmend unter Druck.
Am Ende findet sich eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können, und die Ereignisse kommen zu einem versöhnlichen Abschluss.
Die Komödie nimmt die männlich geprägte Gesellschaft der 1930er-Jahre aufs Korn und stellt die gegenseitige Unterstützung von Frauen in den Mittelpunkt.
In einer Epoche, in der Frauen in Frankreich weder finanzielle Eigenständigkeit besaßen noch ohne Mitgift heiraten konnten und ihnen politische Beteiligung verwehrt blieb, wirkt der Ausspruch einer Suffragette besonders treffend: „Bei Grundrechten sind wir minderjährig, bei Fehlern volljährig.“
Gleichzeitig bewegt sich die Geschichte bewusst in moralisch heiklen Bereichen.
Sie wirft die provokante Frage auf, ob Unwahrheit im Dienst einer größeren Gerechtigkeit stehen kann – und ob ein Verbrechen, zumindest als Erzählung, dazu taugt, vorhandene gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen.
„Mein fabelhaftes Verbrechen“ ist ein spritziges, intelligentes und vom gesamten Ensemble wunderbar gespieltes Theatervergnügen, das zeigt, wie zeitlos gute Komödien sein können. Wer Lust auf einen Abend voller Lachen, Charme und brillanter Schauspielkunst hat, ist hier genau richtig.
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